Rückenmarkskompression

12. Okt 2016
Hochpräzisions-Strahlentherapie bei der metastatisch bedingten Rückenmarkskompression

Rückenmarkskompression und deren Behandlung
Bei fünf bis zehn Prozent aller Krebspatienten kommt es im Verlauf zu einer metastatisch bedingten Rückenmarkskompression (MBRK). Diese kann unbehandelt zu einer kompletten Querschnittslähmung führen. Zumeist erfolgt eine Strahlentherapie, wofür diverse Konzepte (Regime) verfügbar sind. Die Therapie mit einem mehrwöchigen Regime führt zu einer besseren lokalen Kontrolle im bestrahlten Areal als Einzeit- oder Kurzzeittherapien. Der Vorteil wird auf die höhere biologische Wirkung der Langzeittherapie zurückgeführt.

Das Ziel ist eine Verkürzung der Behandlungszeit
Die biologische Wirkung der Strahlentherapie hängt sowohl von der Gesamtdosis als auch von der Dosis pro Sitzung (Fraktion) ab und wird durch die Äquivalenzdosis (EQD2: Equivalent Dose in two Gy Fractions) in Gray (Gy) beschrieben. Ziel dieser Studie ist die Durchführung von fünf Fraktionen, bei denen eine höhere Dosis pro Sitzung verabreicht wird. Die EQD2 dieses Regimes entspricht der einer Langzeittherapie. Mit diesem Behandlungskonzept würde man – so die Annahme – eine kürzere Gesamtbehandlungszeit erreichen. Dies bedeutet eine geringere zeitliche Belastung für die Patienten.

Anwendung moderner Hochpräzisionstechniken in der Strahlentherapie
Eine Erhöhung der Dosis pro Sitzung wäre mit modernen Hochpräzisionstechniken wie der volumenmodulierten Strahlentherapie (VMAT: Volumetric Modulated Arc Therapy) und der Körperstereotaxie (SBRT: Stereotacitc Body Radiation Therapy) möglich, ohne dass eine Schädigung des Rückenmarks zu befürchten ist. 

Ablauf der Studie
In diese Phase II-Studie werden 44 Patienten mit MBRK eingeschlossen, die Hochpräzisionsbestrahlung erhalten. Hauptziel der Studie ist die lokale Kontrolle der MBRK nach sechs Monaten. Des Weiteren werden die motorische Funktion/Gehfähigkeit, Schmerzlinderung, Lebensqualität, Toxizität und Überleben untersucht. Die Ergebnisse werden mit denen von Patienten aus der weltweit größten MBRK-Datenbank verglichen, die eine herkömmliche Kurzzeittherapie mit 5x4 Gy erhielten.      

Ausblick
Erwartet wird, dass die Hochpräzisions-Strahlentherapie in einer Woche zu einer signifikant besseren lokalen Kontrolle der MBRK führt als die herkömmliche Kurzzeittherapie in einer Woche. Demzufolge könnte die Hochpräzisions-Strahlentherapie bei der Behandlung der MBRK in Zukunft eine sinnvolle Alternative zu einer Kurzzeittherapie mit 5x4 Gy und zu einer zweiwöchigen Langzeittherapie mit 10x3 Gy sein.

Studienleitung
Prof. Dr. med. Dirk Rades, Klinik für Strahlentherapie, Universität zu Lübeck / Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Lübeck (Deutschland)