Kopf-Hals-Krebs

12. Okt 2016
Behandlung von strahlentherapie-bedingten Hautreaktionen bei der Therapie von Kopf-Hals-Tumoren mit einem neuartigen Wundverband

Strahlentherapie-bedingte Hautreaktionen
Pro Jahr erkranken etwa 50 von 100.000 Einwohnern an einem bösartigen Kopf-Hals-Tumor. Die Patienten erhalten häufig eine Strahlen- oder Radiochemotherapie (Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie) mit oder ohne vorgeschaltete Operation. Eine akute Nebenwirkung der Strahlentherapie ist die Entzündung der Haut (Strahlendermatitis). Die Hautreaktionen reichen von einer geringen Rötung über eine trockene Abschuppung bis hin zu einer flächigen feuchten Abschuppung mit Blasenbildung und sind für die Patienten belastend. Eine ausgeprägte (Grad 3) Hautreaktion führt möglicherweise sogar zu einer Therapiepause, wodurch der Erfolg der Strahlentherapie beeinträchtigt werden kann. 
Um ausgeprägte Hautreaktionen zu vermeiden, ist es erforderlich, bereits deutliche (Grad 2) Hautreaktionen zu vermeiden oder deren Auftreten zumindest zu verzögern. Trotz üblicher Pflegemaßnahmen kommt es bei mehr als 80 Prozent der Patienten, die aufgrund eines Kopf-Hals-Tumors bestrahlt werden, zu Grad 2-Hautreaktionen. Diese Nebenwirkungsraten müssen dringend gesenkt werden. 

Selbsthaftender Wundverband für geringere Hautreaktionen
Es wurde eine Studie veröffentlich, in der bei Patientinnen mit Brustkrebs ein selbsthaftender Wundverband als neue Option für die Behandlung der Strahlendermatitis getestet wurde. Die Ergebnisse dieser Studie waren vielversprechend. Mittlerweile gibt es eine Weiterentwicklung dieses Wundverbands. Der neue Verband ist dünner und komfortabler für die betroffenen Patienten/innen.

Ablauf der Studie
In dieser randomisierten Studie mit dem Namen RAREST (RAdiotherapy RElated Skin Toxicity) wird der neue Wundverband mit der Standard-Hautpflege verglichen. Eingeschlossen werden 168 Patienten mit einem Kopf-Hals-Tumor, die eine Strahlen- oder Radiochemotherapie erhalten. Hauptziel der Studie ist das Verhindern von deutlichen, die Patienten belastenden Hautreaktionen. Der Hautstatus wird täglich von speziell geschulten Ärzten und Pflegekräften kontrolliert und bewertet.

Ausblick
Erwartet wird, dass der neue selbsthaftende Wundverband bei Patienten, die aufgrund eines Kopf-Hals-Tumors eine Radio(chemo)therapie erhalten, der Standardbehandlung hinsichtlich der Vermeidung einer Strahlendermatitis Grad 2 überlegen ist. Damit würde der Wundverband gute Voraussetzungen mitbringen, um zu einer neuen Standardprozedur bei der Hautpflege von Patienten mit einem Kopf-Hals-Tumor zu werden.

Studienleitung
Prof. Dr. med. Dirk Rades, Klinik für Strahlentherapie, Universität zu Lübeck / Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Lübeck (Deutschland)